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Der Motorrad-Guide auf Madeira: die besten Strecken, Touren, Streckensperrungen, Sehenswürdigkeiten und Anreise.

Madeira liegt im Nordatlantik, rund 805 Kilometer südwestlich des portugiesischen Festlands und etwa 520 Kilometer westlich der marokkanischen Küste; die Kanaren beginnen knapp 400 Kilometer weiter südlich. Die Insel gehört zur Inselgruppe Makaronesien und ist die Spitze eines Schildvulkans, der rund sechs Kilometer vom Atlantikgrund aufragt. Für alle, die hier fahren, zählt vor allem eine Zahl: Zwischen dem Meeresspiegel und dem höchsten Punkt, dem Pico Ruivo mit 1.862 Metern, liegt keine Tagesetappe. Kaum ein anderes Revier packt so viel Höhenunterschied auf so wenig Fläche.

Motorradfahren auf Madeira

Die Hauptstadt Funchal sitzt an der Südküste, und von dort zieht die Schnellstraße VR1 als schnelle Achse rund 44 Kilometer an Câmara de Lobos, Funchal und Machico vorbei bis nach Caniçal im Osten. Die VR1 ist Transit, kein Fahrspaß: ein Tunnel jagt den nächsten, dazwischen bleibt kaum Tageslicht. Interessant wird es, sobald man sie verlässt. Von der Küstenlinie klettern die Regionalstraßen in engen Kehren ins Landesinnere, oft mit zweistelligen Steigungsprozenten, schmaler Fahrbahn und Trockenmauern statt Leitplanken. Wer aus dem Flachland kommt, stellt hier schnell um: Auf Madeira fährt man in Radien, nicht in Geraden.

Das Rückgrat der Insel ist ihr Gebirgskamm. Die eindrucksvollste asphaltierte Achse führt vom Pass Poiso hinauf zum Pico do Arieiro, mit 1.818 Metern dem dritthöchsten Gipfel Madeiras und dem höchsten Punkt, den man überhaupt mit dem Motorrad erreicht. Die Straße folgt der Kammlinie, fällt links und rechts steil in die Täler ab und liegt an vielen Tagen über der Wolkendecke — unten hängt der Nebel, oben steht die Sonne. Der benachbarte Pico Ruivo bleibt Fußgängern vorbehalten; gefahren wird bis zum Sattel, der Rest ist Wanderweg. Wer die Höhe nüchtern betrachtet: 1.800 Meter über Null bedeuten auch am Sommermorgen einstellige Temperaturen und schnellen Wetterwechsel, dafür eine Fernsicht, die an klaren Tagen bis zur Nachbarinsel Porto Santo reicht.

Ganz anders der Westen. Dort spannt sich mit dem Paul da Serra das größte Hochplateau der Insel auf, eine weite, fast baumlose Hochfläche in 1.300 bis 1.500 Metern Höhe, überragt vom Pico do Paul mit 1.640 Metern. Hier weichen die Serpentinen langen, offenen Bögen über Heideland und Wollgras; der Fahrcharakter kippt von hektisch auf weiträumig, der Blick geht über eine Landschaft, die eher an nordische Hochmoore erinnert als an eine Atlantikinsel. Am Nordrand des Plateaus beginnt der Lorbeerwald, ein Relikt aus einer Vegetationszeit, die es auf dem europäischen Festland längst nicht mehr gibt.

Motorradfahren auf Madeira

Der schärfste Gegensatz auf Madeira ist die Nord-Süd-Achse. Die Südseite ist trockener und sonniger, die Nordseite fängt die Feuchtigkeit der Passatwinde ab und ist entsprechend grün, steil und wasserreich — tiefe Schluchten, Wasserfälle, dichter Bewuchs. Zwischen beiden Küsten vermittelt die R104, die als einzige durchgehende Querverbindung über die zentrale Bergscheide an der Boca da Encumeada von Ribeira Brava im Süden nach São Vicente im Norden führt; im Süden bindet sie bei Ribeira Brava an die VR1 an. An der Nordküste selbst läuft die R101: streckenweise modern als Schnellstraßenabschnitt mit vielen Tunneln ausgebaut, daneben aber immer noch die alte, teils einspurige Küstenstraße aus den 1950er-Jahren, die sich spektakulär in die Felswand duckt. Diese alten Abschnitte sind das eigentliche Kapital der Insel für Motorradfahrer: eng, tropfnass unter überhängenden Felsen, aber genau das, was man wegen der Landschaft fährt.

Diese Doppelstruktur aus neuem Tunnelnetz und alter Passstraße prägt das Fahren auf der ganzen Insel. Wo früher jede Verbindung über Serpentinen und Küstenklippen lief, nimmt heute ein dichtes Netz aus Schnellstraßen und Tunnelröhren den Durchgangsverkehr auf: die VR1 im Süden, die ausgebauten VE-Abschnitte der Nordküstenstraße. Das hat die alten Strecken spürbar entlastet. Wer die abgestuften Kammrouten und die alten Klippenstraßen sucht, findet dort heute weniger Verkehr als vor dem Ausbau, dafür engere Fahrbahnen und mehr Fahrarbeit. Für die Streckenplanung heißt das: die schnellen Achsen als Verbindungsstücke nutzen und für den Fahrspaß gezielt auf die alten, langsamen Routen abbiegen, statt beides zu vermischen. Wer nur der VR1 folgt, sieht von Madeira wenig; wer sie nur zum Umsetzen zwischen zwei Tälern nimmt, viel.

Charakteristisch bleibt über alle Regionen hinweg die enge Radienführung. Die typische Madeira-Kurve ist eng, oft blind, häufig mit Gegenverkehr auf schmaler Spur, und der Untergrund wechselt zwischen frischem Belag, altem Kopfsteinpflaster in Ortsdurchfahrten und feuchten, moosbewachsenen Passagen im schattigen Norden. Das verlangt vorausschauendes Fahren statt Tempo. Höhenmeter sammeln sich schnell: Von der Küste auf über tausend Meter und wieder hinunter ist eine Sache von Kilometern, nicht von Stunden — die Bremsen und die eigene Konzentration arbeiten hier mehr als auf jeder Landstraßen-Etappe daheim.

Motorradfahren auf Madeira

Was das Revier ausmacht, ist diese Dichte. Auf einer Insel, die man an einem Tag umrunden kann, wechseln Meeresküste, Nebelwald, alpine Kammlagen und offenes Hochplateau im Stundentakt. Man startet morgens am Atlantik, steht mittags über den Wolken auf 1.800 Metern und rollt abends durch subtropische Schluchten zurück ans Wasser. Die Fahrsaison läuft ganzjährig; das ozeanische Klima hält die Küstentemperaturen mild und stabil, während oben am Kamm mit Wolke, Wind und deutlich kühlerer Luft zu rechnen ist. Genau dieses Nebeneinander von warmer Küste und rauem Hochland, von schneller VR1-Achse und uralter Klippenstraße, macht Madeira zu einem eigenständigen Motorradrevier — kompakt, vertikal und in jeder Kurve anders.

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