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Madeira

Die Motorrad-Reviere auf Madeira

Jede Ecke fährt sich anders – hier steht, welche wie.

Madeira ist eine Insel für Fahrer, die den Wechsel suchen: In einer Stunde geht es von der subtropischen Südküste über eine baumlose Hochebene auf rund 1.400 Meter und auf der anderen Seite wieder hinab ans Meer. Die alten Küstenstraßen sind eng und kurvenreich, das Höhenwetter verlangt Planung, und schon die Anreise entscheidet über die halbe Tour. Was die einzelnen Ecken der Insel fürs Motorrad ausmachen, steht hier.

Die alten ER-Straßen – Kurven statt Tunnel

Drei Motorräder auf einer Küstenstraße unter grünen Felswänden Madeiras
Auf der Küstenstraße unter den Felswänden

Madeiras Straßennetz ist zweigeteilt: Die neuen Schnellstraßen durchqueren die Berge in langen Tunneln, die alten Estradas Regionais (ER) klettern außen an Küsten und Hängen entlang. Für Motorradfahrer zählt fast nur die alte Variante. Die ER101 umrundet als historische Ringstraße große Teile der Insel — eng, kurvenreich, teils moosüberwachsen und wenig befahren, seit der Durchgangsverkehr in die Tunnel abgewandert ist. Genau das macht sie fahrbar: freie Kurven statt LKW-Kolonnen. Wer den Zustand kennt, plant richtig — viele Abschnitte sind einspurig, führen durch ungesicherte, tropfende Felstunnel ohne Licht und verlangen ständigen Blick für Gegenverkehr. Tempo bringt hier nichts, Linie und Übersicht schon.

Paul da Serra & Encumeada – Hochebene und Passquerung

Motorräder auf einer schmalen Straße hoch über dem Atlantik
Schmale Straße hoch über dem Atlantik

In der Inselmitte breitet sich das Hochplateau Paul da Serra aus, eine baumlose, von Ginster und Weideflächen bedeckte Weite auf rund 1.400 Metern — die höchste befahrbare Ebene der Insel. Von hier fallen die Straßen nach allen Seiten ab. Die klassische Nord-Süd-Querung führt über den Encumeada-Pass, der beide Küsten auf mittlerer Höhe verbindet und an klaren Tagen den Blick auf Nord- und Südseite zugleich freigibt. Auf der Hochebene schlägt das Wetter am schnellsten um: unten Sonne, oben dichter Nebel, kalter Wind und Nässe, und die Sicht kann binnen Minuten zusammenbrechen. Vor der Auffahrt gehören ein Blick auf die Wetterlage und eine Ausweichroute durch die Tunnel als Plan B dazu.

Natur

Fanal & Ribeira da Janela – Lorbeerwald im Nebel

In den grünen Fels geschlagene Straße an der Steilküste
In den Fels geschlagen: die alte Küstenstraße

Am Nordwestrand der Hochebene liegt der Lorbeerwald von Fanal, Teil der Laurisilva — eines urzeitlichen Waldes, der als UNESCO-Weltnaturerbe geschützt ist. Uralte, knorrige Stinklorbeerbäume stehen hier meist im Nebel, der aus dem Atlantik heraufzieht; klare Sicht ist die Ausnahme. Von der Küste steigt die Straße über das Dorf Ribeira da Janela in engen Kehren zur Ebene hinauf — ein steiler, technischer Anstieg, der bei Nässe rutschig wird und volle Konzentration verlangt. Der Wald ist Fotomotiv und Fahrziel zugleich, aber kein Ort für Tempo.

Nordküste – São Vicente, Seixal und Porto Moniz

Türkisfarbene Bucht mit Felsnadeln vor grün bewachsenen Klippen
Felsnadeln vor der grünen Steilküste

Die Nordseite ist die wildere und feuchtere. Rund um São Vicente und Seixal fällt der Fels steil zum Atlantik ab; die alte Küstenstraße wurde hier stellenweise direkt in die Wand getrieben und führt durch Tunnel, über die früher Wasserfälle unmittelbar auf die Fahrbahn stürzten — einzelne dieser Abschnitte sind noch befahrbar, andere längst durch Tunnel ersetzt. Weiter westlich liegt Porto Moniz mit seinen natürlichen Lavabecken, in denen der Atlantik als Meerwasserpool gefasst ist. Der Höhenwechsel von der Hochebene hinab an die Nordküste ist einer der stärksten der Insel: von karger Weite in wenigen Kilometern auf Meereshöhe.

Curral das Freiras – das Nonnental

Steil abfallende, dicht bewachsene Klippen über dem Meer
Grüne Klippen stürzen direkt ins Meer

Eingekesselt von steilen Bergwänden liegt Curral das Freiras, das „Nonnental", benannt nach Nonnen, die sich einst vor Piratenüberfällen hierher zurückzogen. Vom Aussichtspunkt Eira do Serrado stürzt der Blick fast senkrecht in den Talkessel. Die Straße hinunter ins Dorf windet sich in engen Serpentinen und Tunneln durch die Wand — eine kurze, aber intensive Stichstrecke, die man hin und zurück fährt, weil das Tal keine Durchgangsverbindung hat.

Pico do Arieiro & Pico Ruivo – die Hochgebirgsstraße

Küstenlinie mit hohen Klippen unter dichter Wolkendecke
Wolken über der Nordküste

Über Funchal führt eine gut ausgebaute Bergstraße hinauf zum Pico do Arieiro, mit rund 1.818 Metern der dritthöchste Gipfel und der einzige der hohen Berge, den man direkt anfahren kann. Der höchste Punkt der Insel, der Pico Ruivo (1.862 m), ist nur zu Fuß erreichbar — vom Arieiro über einen Höhenweg. Die Auffahrt lohnt vor allem früh am Morgen: Häufig liegt eine geschlossene Wolkendecke unter dem Gipfel, und man steht im Sonnenlicht über dem Wolkenmeer. Bei Nebel oder starkem Wind bleibt oben nur graue Wand — die Straße ist dann fahrbar, aber ohne Aussicht.

Funchal & der Süden – Hauptstadt und Steilklippe

Weites Panorama der Küste mit vorgelagerten Felsen
Küstenpanorama

Die Südküste ist milder, sonniger und dichter besiedelt. Funchal ist Hauptstadt und logistischer Ankerpunkt — Altstadt, Markthalle und die Seilbahn hinauf nach Monte, von wo die traditionellen Korbschlitten talwärts fahren. Westlich der Stadt liegt Cabo Girão, eine der höchsten Steilklippen Europas, mit einem gläsernen Skywalk direkt über der Abbruchkante. Der Süden ist die Seite für Ankunft und Eingewöhnung: kurze Wege, dichtes Straßennetz, mildes Klima — von hier aus erschließt man die Berge und die raue Nordseite.

Ponta de São Lourenço – die karge Ostspitze

Blick von oben auf eine Landzunge mit Meeresschwimmbecken
Blick hinunter auf die Landzunge

Ganz im Osten läuft die Insel in die Halbinsel Ponta de São Lourenço aus — eine rotbraune Vulkanlandschaft ohne Wald, vom Wind gezeichnet und ganz anders als der grüne Rest der Insel. Die Straße endet vor der Spitze; der schmalste, spektakulärste Teil ist nur zu Fuß zu begehen. Für Fahrer reizt der Weg dorthin über die Ostküste: offene Kurven, weite Sicht aufs Meer und kaum Vegetation, die den Blick verstellt.

Santana – Strohdachhäuser an der Nordostküste

Weiß getünchtes Dorf über der felsigen Brandungsküste
Dorf über der Brandung

An der Nordostküste liegt Santana, bekannt für seine strohgedeckten, dreieckigen Bauernhäuser (casas de colmo) mit kräftig bemalten Fronten — heute vor allem Schaustücke, aber ein lohnender Halt. Die Anfahrt aus Funchal führt über die alte Nordstraße mit Blick auf die Steilküste; von Santana aus lässt sich die Fahrt Richtung São Vicente oder hinauf ins Hochland fortsetzen. Der Ort ist ein guter Dreh- und Angelpunkt für die Nordostrunde.

Anreise

Anreise – verschiffen oder mieten

Motorräder auf der Hauptstraße eines Dorfes mit weißer Kirche
Durchfahrt durch ein Dorf im Norden

Der entscheidende Planungspunkt steht vor der ersten Kurve: Das eigene Motorrad nach Madeira zu bringen bedeutet verschiffen — teuer, langwierig und nur über den Seeweg vom Festland aus zu organisieren. Für die meisten ist das Mietmotorrad die praktikablere Wahl; mehrere Vermieter sitzen im Raum Funchal, das Angebot ist aber begrenzt und in der Hauptsaison schnell ausgebucht. Beides — Maschine und Flüge — gehört früh geklärt. Die Insel ist klein und in wenigen Tagen umrundet, doch an der Logistik scheitert eine Madeira-Tour eher als an den Straßen.

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