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Madeira

Sehenswürdigkeiten auf Madeira

Sehenswürdigkeiten, Sagen & Kultur – die Stopps, die eine Tour erst rund machen.

Kultur & Sagen

Sagen um Machico, die Levadas & den Feenwald von Fanal

Eine Insel, die jahrhundertelang nur über das Meer erreichbar war, sammelt ihre eigenen Geschichten. Manche sind historisch belegbar, viele leben vom Erzählen. Was folgt, gehört zur zweiten Sorte.

Die Liebenden von Machico

Die bekannteste Legende der Insel rankt sich um den Ort Machico im Osten. Der Sage nach sollen der englische Edelmann Robert Machim und seine Geliebte Anne d'Arfet aus England geflohen sein, weil ihre Liebe verboten war. Ein Sturm habe ihr Schiff auf die damals noch unbewohnte Insel verschlagen, wo beide kurz nacheinander gestorben seien. Als die portugiesischen Entdecker später anlandeten, sollen sie ein hölzernes Kreuz mit einer Inschrift gefunden haben, die an die beiden erinnerte. Der Sage nach gab dieser Machim dem Ort Machico seinen Namen. Ob es Machim wirklich gab, ist historisch nicht belegt; die Erzählung gehört zu den romantisierten Gründungsgeschichten der Insel, die schon die ersten Siedler weitererzählten.

Geister und Stimmen der Levadas

Die Levadas, die jahrhundertealten Wasserkanäle, die das Regenwasser aus dem feuchten Norden in den trockenen Süden leiten, durchziehen die einsamsten Winkel der Insel. Der Sage nach geistern in den abgelegenen Schluchten und Lorbeerwäldern, durch die das Wasser rauscht, die Seelen jener, die beim Bau dieser waghalsigen Kanäle in den senkrechten Felswänden ums Leben kamen. Wer im Nebel allein an einer Levada steht und nur das Wasser und den Wind hört, kann nachfühlen, woher solche Geschichten kommen.

Der nebelverhangene Berg

Um die hohen Gipfel im Inselinneren, die so oft in Wolken liegen, ranken sich der Sage nach Erzählungen von Berggeistern und verwunschenen Plätzen. Der Fanal mit seinen knorrigen, moosbehangenen Lorbeerbäumen trägt nicht ohne Grund den Beinamen „Feenwald“: Im Nebel verschwimmen die Bäume zu Schemen, und der Wald wirkt, als gehöre er einer anderen Zeit an.

Sehenswert

Lorbeerwald, Levadas & Naturstopps am Paul da Serra

Madeira ist im Kern ein einziges großes Naturschauspiel, und vieles davon liegt direkt am Straßenrand. Die folgenden Stopps lassen sich fast überall unterwegs einlegen und brauchen keinen großen Umweg.

Der Lorbeerwald Laurissilva

Der Laurissilva, der subtropische Lorbeerwald Madeiras, wurde 1999 zum UNESCO-Weltnaturerbe erklärt. Er gilt als das größte zusammenhängende und am besten erhaltene Lorbeerwaldgebiet der Erde, ein Relikt aus einer Zeit, als solche Wälder weite Teile Südeuropas und Nordafrikas bedeckten. Heute nimmt er rund 15.000 Hektar ein, etwa ein Fünftel der Inselfläche, vor allem in den feuchten Höhenlagen des Nordens. Wer durch die nördlichen und zentralen Bergregionen fährt, bewegt sich mitten durch dieses Welterbe.

Levadas und Hochebene Paul da Serra

Die Levadas folgen den Höhenlinien quer durch den Wald, gemauert und betoniert in oft senkrechtes Gelände gesetzt. Entlang vieler von ihnen verlaufen schmale Wartungspfade, die heute als Wanderwege dienen – ideal für eine Beinstreckung zwischen zwei Fahretappen. Die karge Hochebene Paul da Serra auf rund 1500 Metern bildet den Übergang zum geschützten Fanal-Gebiet, das in einem alten Vulkankrater liegt. Hier oben ist es weit, windig und oft wolkenverhangen, ein starker Kontrast zur grünen Steilküste.

Gärten und Pausenplätze

Das milde, subtropische Klima hat Madeira den Beinamen „Blumeninsel" eingebracht. Rund um Funchal und Monte gedeihen üppige subtropische Gärten mit Pflanzen aus aller Welt. Aussichtspunkte (Miradouros) mit Parkmöglichkeit gibt es entlang fast jeder Bergstraße, sie eignen sich gut für eine kurze Pause mit Aussicht.

Zwei Straßennetze übereinander lesen

Wer auf Madeira eine Route plant, plant faktisch in zwei Systemen gleichzeitig. Über der Insel liegt ein modernes Netz aus Schnellstraßen und Tunnelröhren, das den Verkehr in gerader Linie durch die Bergrücken schiebt. Darunter liegt das alte Netz der Regionalstraßen, das jeden Talschluss ausfährt, jede Rippe umrundet und jedes Dorf mitnimmt. Beide Netze tragen an vielen Stellen dieselben Ortsnamen im Wegweiser, führen aber in völlig verschiedene Fahrtage.

Motorräder auf einer schmalen Straße hoch über dem Atlantik
Schmale Straße hoch über dem Atlantik

Der praktische Knackpunkt sitzt im Navigationsgerät. Jeder Router rechnet auf schnellste Verbindung und schickt die Maschine damit zuverlässig in die Tunnelkette. Zwischen Start und Ziel bleiben dann Betonwand, Neonlicht und ein Streckenprofil ohne jeden Reiz. Abhilfe schafft nur aktives Eingreifen: Zwischenziele auf die Küstendörfer und Bergweiler setzen statt auf die Endpunkte, oder in der Routeneinstellung von schnell auf kurz umstellen und das Ergebnis vor der Abfahrt einmal auf der Karte kontrollieren. Wer das nicht tut, hat die Insel gequert, ohne sie gesehen zu haben.

Madeira ist überdurchschnittlich stark vertunnelt. Viele moderne Verbindungen, etwa die Strecke zwischen São Vicente und Porto Moniz, verlaufen über lange Abschnitte durch den Berg. In den Röhren ist es nass und kühl, und der Lichtwechsel hell-dunkel-hell fordert die Augen.

Für die Tunnel selbst gelten ein paar handfeste Regeln. Die älteren, im Zuge des Ausbaus stehen gebliebenen Röhren sind teils unbeleuchtet, feucht und tropfen von der Decke. Ein getöntes Visier oder eine Sonnenbrille ist dort eine echte Gefahr, weil die Augen nach dem grellen Küstenlicht ohnehin Sekunden brauchen. Klares Visier gehört auf Madeira zur Grundausstattung, nicht zur Schlechtwetterausrüstung. Am Tunnelausgang wartet häufig der nächste Effekt: Wo die Röhre in ein Kerbtal mündet, steht der Wind quer, und die Fahrbahn ist im Schatten der Talwand oft deutlich feuchter als im Berg.

Fahren unter der Felswand: die alte Küstenstraße im Nordwesten

Berühmt-berüchtigt sind die alten Küstenstraßen, die vor dem Tunnelbau die einzige Verbindung waren. Die historische ER 101 im Nordwesten zwischen São Vicente, Seixal und Porto Moniz führte direkt unter überhängenden Felsen und durch enge, in den Fels gehauene Tunnel an der steilen Atlantikküste entlang. Teile dieser Altstrecke sind wegen Steinschlag dauerhaft gesperrt, während der Verkehr heute über die modernere, tunnelreiche Schnellstraße rollt. Wer den alten Straßenverlauf erleben will, kann einzelne freigegebene Abschnitte zu Fuß ablaufen.

Die Nordseite trägt die eindrucksvollsten Streckenreste der Insel. Wo die Trasse noch am alten Verlauf klebt, ist sie in die Wand geschlagen, überhängt und dauerhaft nass, weil Sickerwasser aus dem Fels von oben auf die Fahrbahn läuft. Diese dunklen Nässestreifen sind auch im Hochsommer da, oft mit Algen- oder Moosbelag am Rand. Sie liegen fast immer in Kurven, weil die Straße dort in eine Felsnische einschwenkt. Die Linie gehört in solchen Passagen weg vom Rand und in die Mitte der Spur, dort, wo der Verkehr den Belag noch trocken schleift.

Dazu kommt loses Material. Nach Regentagen liegt Steinschlagmaterial im Bankett, teils auch in der Fahrspur, dazu Blattwerk aus dem Hangbewuchs. In den kurzen, aus dem Fels gehauenen Röhren ist die Fahrbahn manchmal nur eine Spur breit, mit Ausweichnischen und ohne Beleuchtung. Gegenverkehr kündigt sich dort nur über Motorengeräusch und Lichtschein an, weshalb defensives Tempo und ein Blick auf die Nischen die richtige Vorbereitung sind.

Ein Wahrzeichen dieser alten Straßenbaukunst ist die Cascata dos Anjos bei Ponta do Sol, ein Wasserfall, der über die alte ER 101 direkt auf die Fahrbahn und ins Meer stürzt. Jahrelang war die Durchfahrt durch den Wasservorhang als kostenlose Natur-Autowäsche eine beliebte Attraktion. Nach einem tödlichen Unfall im Sommer 2024 und nachfolgendem Steinschlag ist die Straße an dieser Stelle für Fahrzeuge gesperrt. Der Wasserfall ist seitdem von Ponta do Sol aus zu Fuß erreichbar, die motorisierte Durchfahrt ist also nicht mehr möglich. Ältere Reiseberichte, die noch die Fahrt durch den Wasservorhang beschreiben, sind damit überholt.

Ein Nebeneffekt des Ausbaus wird gern übersehen: Die neue Trasse führt an den Orten vorbei, nicht hindurch. Wer die Nordküstendörfer sehen will, muss aktiv abfahren und über die alten Zufahrten hinunter ans Wasser. Diese Stichstraßen sind kurz, aber steil und eng, und sie enden häufig an einem kleinen Platz ohne Wendemöglichkeit. Vor der Abfahrt lohnt der Gedanke, wie man wieder hochkommt.

Rampen und Kehren zwischen Küste und Hochebene

Der Übergang vom schnellen Netz ins langsame ist auf Madeira selten sanft. Wer die Küstenachse verlässt, steht meist innerhalb weniger hundert Meter in einer steilen Auffahrt mit engen Kehren, halber Fahrbahnbreite und Mauern statt Bankett. Das Hochland um den Paul da Serra ist von allen Seiten so angebunden: aus dem Süden über die Talstufen hinter Ribeira Brava, aus dem Westen über die Rampen hinter Calheta, aus dem Norden über die Serpentinen von der Nordküste herauf. Keine dieser Anfahrten ist eine Verbindungsstrecke, jede ist eine Fahraufgabe.

Oben ändert sich der Charakter schlagartig. Die Hochfläche ist offen und baumlos, die Straße läuft in langen, übersichtlichen Bögen, und der Fahrfluss wird nach der Kehrenarbeit im Aufstieg fast schon entspannt. Genau darin liegt der Fehler, den viele machen: Die Sicht verführt zu Tempo, aber die Hochfläche hat keine Schutzwirkung. Der Wind steht ungebremst quer, Nebelbänke ziehen in Minuten durch, und in der Wolke fehlen auf der weiten Fläche sämtliche Bezugspunkte für die Kurvenwahrnehmung. Dazu kommt freilaufendes Vieh, das die Weideflächen ohne Zaun nutzt und auch auf der Fahrbahn steht.

Der anspruchsvollste Teil einer Hochlandrunde ist die Abfahrt. Über einen langen, durchgehenden Höhenverlust arbeiten Bremsen und Kupplung dauerhaft, und die Versuchung, den ganzen Weg auf der Bremse zu stehen, ist groß. Wer stattdessen früh einen niedrigen Gang wählt und die Motorbremse mitarbeiten lässt, kommt unten mit klarem Kopf und funktionierender Anlage an. Bei beladener Maschine mit Sozius ist das keine Empfehlung, sondern Pflichtprogramm.

Ortsdurchfahrten am Steilhang und was der Belag dort macht

Die Dörfer Madeiras sind an den Hang gebaut, und die Straßen folgen dem Hang direkt statt in Schleifen. Das ergibt Ortsdurchfahrten, die fahrtechnisch schwieriger sind als jede Passstraße: Anfahren am Berg in einer engen Kurve, blinde Einmündungen von oben, geparkte Fahrzeuge auf halber Fahrbahn, Entwässerungsrinnen quer zur Fahrtrichtung. Die Rampen sind so steil, dass am Fußweg Stufen statt einer Schräge liegen.

Der Belag verschärft das. In den gewachsenen Ortskernen liegt vielfach Basaltpflaster, das über Jahrzehnte glatt gefahren wurde. Trocken ist es unauffällig, feucht verliert es deutlich an Griff, besonders in Kombination mit dem Gefälle. Auf solchen Abschnitten gehören Bremsen und Lastwechsel in die Gerade, nicht in die Schräglage.

Auch das Abstellen will überlegt sein. Auf steilem Untergrund kippt eine Maschine, die quer zum Gefälle auf dem Seitenständer steht, schnell über die Hangseite weg. Besser ist es, mit der Front bergauf einzuparken, den ersten Gang einzulegen und den Ständer auf der Bergseite zu haben. Und wer im Zweifel ist, ob eine Gasse weiterführt: lieber vorher anhalten und schauen. Ein Wendemanöver mit voll beladenem Motorrad auf schmaler Steilstraße kostet mehr Kraft und Nerven als ein Umweg.

Höhenschichten, Wolkenstau und die Kleiderfrage

Der Wetterunterschied auf Madeira verläuft nicht nur zwischen den Küsten, sondern vor allem vertikal. Die feuchte Luft staut sich am Gebirgsriegel und bildet eine Wolkenschicht in mittlerer Höhe. Darunter fährt man im diffusen Grau, mittendrin in echter Sichtweiten-Reduktion, darüber im Sonnenlicht über einem geschlossenen Wolkenmeer. Diese drei Zonen liegen auf einer einzigen Auffahrt hintereinander, und man durchfährt sie an einem Vormittag zweimal.

Für die Ausrüstung heißt das: Eine Kombination, die an der Küste passt, ist oben zu dünn. Der Temperaturunterschied zwischen Meeresspiegel und Kammlage ist erheblich, dazu kommt Wind und in der Wolke Feuchtigkeit, die sich als Film auf Kleidung und Visier legt. Eine wind- und wasserdichte Zwischenschicht im Gepäck ist auf dieser Insel kein Vorsichtsposten, sondern ständiger Begleiter. Handschuhe zum Wechseln lohnen ebenfalls, weil nasse Innenfutter unterwegs nicht mehr trocknen.

Beim Eintauchen in die Wolke beschlägt das Visier von innen, sobald man langsamer wird. Ein Pinlock oder zumindest ein leicht geöffnetes Visier hilft mehr als jeder Wischversuch mit dem Handschuh. Die Faustregel für die Tagesplanung: Höhe früh fahren, Küste später. Am Vormittag ist die Wahrscheinlichkeit für freie Kammlagen am größten, im Tagesverlauf schiebt sich die Bewölkung eher zu als auf.

Funchal, Cabo Girão, Arieiro: die Ziele auf der Insel

Die landschaftlichen Höhepunkte Madeiras liegen fast alle direkt an oder kurz neben einer fahrenswerten Strecke. Wer die folgenden Ziele in eine Wochenplanung einbaut, hat die Insel in ihrer ganzen Bandbreite erfahren.

Funchal: Altstadt, Markt und Seilbahn nach Monte

Die Inselhauptstadt Funchal ist Ausgangspunkt fast jeder Tour. In der Altstadt (Zona Velha) lohnt der Mercado dos Lavradores, die historische Markthalle mit Obst, exotischen Früchten, Gemüse und Fisch. Wer das Motorrad sicher abgestellt hat, fährt mit der Seilbahn Teleférico do Funchal von der Altstadt hinauf nach Monte, mit weitem Blick über die Bucht, die Dächer der Stadt und ihre Gärten. Oben warten die Wallfahrtskirche Nossa Senhora do Monte und der tropische Garten Monte Palace. Parken in der Innenstadt funktioniert am besten in einem der Parkhäuser, das Motorrad lässt man dort tagsüber geschützt stehen.

Cabo Girão: eine der höchsten Steilklippen Europas

Nur wenige Kilometer westlich von Funchal, oberhalb von Câmara de Lobos, ragt Cabo Girão mit rund 580 Metern als eine der höchsten Steilküsten Europas senkrecht aus dem Atlantik. Die 2012 eröffnete gläserne Aussichtsplattform, der Skywalk, schwebt frei über der Klippe und gibt den Blick auf die winzigen, von oben kaum erkennbaren Terrassenfelder am Fuß der Wand frei. Es gibt einen Parkplatz oberhalb der Plattform, der Zugang ist überdacht und gut ausgebaut. Die Anfahrt über die Höhenstraße oberhalb von Câmara de Lobos ist selbst schon ein Erlebnis.

Pico do Arieiro: mit dem Motorrad fast auf den Gipfel

Der Pico do Arieiro ist mit 1818 Metern der dritthöchste Berg der Insel, nach dem Pico Ruivo (etwa 1862 Meter) und dem Pico das Torres. Das Besondere für Motorradfahrer: Der Arieiro ist der einzige der hohen Gipfel, der über eine asphaltierte Straße fast bis ganz oben erreichbar ist. Die Panoramastraße schraubt sich aus dem Raum Funchal über Monte in die zentrale Bergwelt hinauf, oft durch Wolkenfelder, bis man am Gipfelparkplatz steht und bei klarer Sicht über das gesamte Bergmassiv blickt, mit dem Atlantik im Hintergrund. Wegen der Höhe ist es oben deutlich kühler und windiger als an der Küste, eine warme Schicht gehört ins Gepäck.

Porto Moniz: Lavabecken im äußersten Nordwesten

Im äußersten Nordwesten liegt Porto Moniz, berühmt für seine natürlichen Lavabecken, in denen man im vom Atlantik gespeisten Salzwasser zwischen schwarzen Vulkanfelsen baden kann. Die Anfahrt über die nordwestliche Küstenregion gehört zu den eindrucksvollsten Streckenabschnitten der Insel. Parkplätze gibt es direkt am Ort oberhalb der Becken.

Seixal und Fanal: Küste und Lorbeerwald

Seixal an der Nordküste, mit schwarzem Sandstrand und steil aufragenden, grünen Felswänden, ist ein klassischer Fotostopp. Hoch darüber, auf der Hochebene, liegt der Fanal, ein Teil des urtümlichen Lorbeerwaldes, dessen jahrhundertealte Stinklorbeerbäume bei Nebel eine fast märchenhafte Stimmung erzeugen. Die schmale Stichstraße zum Fanal ist oft neblig und feucht, also vorsichtig fahren.

Ponta de São Lourenço: der karge Osten

Der äußerste Osten der Insel, die Halbinsel Ponta de São Lourenço, ist seit 1982 Naturschutzgebiet und wirkt wie eine andere Welt: kahl, von Wind und Wellen geformt, in rötlich-ockerfarbenen Felsen. Die Straße endet auf einem Parkplatz, von dem aus ein Wanderweg in die Landzunge führt. Allein die Anfahrt durch die trockene Ostlandschaft ist die Strecke wert.

Santana: die Strohdachhäuser

An der Nordküste liegt Santana, bekannt für seine traditionellen Strohdachhäuser (Casas de Colmo), kleine, dreieckige Bauten mit bis zum Boden reichenden Reetdächern und rot-weiß-blau gestrichenen Fassaden. Mehr als hundert dieser Häuser sind in Santana und im Nachbarort São Jorge erhalten und stehen unter Denkmalschutz. Ein paar nachgebaute Exemplare im Ortskern sind frei zugänglich und ein dankbares Fotomotiv.

Zarco, Madeira-Wein und die Markthalle: Ziele für Regentage

Wenn der Nebel auf den Bergen liegt oder es im Norden in Strömen regnet, muss der Tag nicht verloren sein. Madeira hat eine reiche Geschichte und eine weltberühmte Weinkultur, beides lässt sich gut unter Dach erkunden.

Die Entdeckung der Insel

Die offizielle Geschichte Madeiras beginnt im frühen 15. Jahrhundert. Am 1. Juli 1419 landeten die portugiesischen Seefahrer João Gonçalves Zarco und Tristão Vaz Teixeira am Strand von Machico und begannen die Besiedlung der bis dahin menschenleeren, dicht bewaldeten Insel. Der Name Madeira bedeutet auf Portugiesisch „Holz", ein Hinweis auf den ursprünglichen Lorbeerwald, der einst die gesamte Insel bedeckte. In Machico und Funchal erinnern Denkmäler und Kirchen an diese Frühzeit.

Madeira-Wein: ein Welterzeugnis aus Funchal

Der Madeira-Wein ist eines der berühmtesten Produkte der Insel und ein dankbares Schlechtwetterziel, weil die Weinkellereien mitten in Funchal liegen. Der Wein wird im Wesentlichen aus fünf weißen Rebsorten gekeltert: Sercial, Verdelho, Bual (Boal), Terrantez und Malvasia (Malmsey), die von trocken bis süß reichen. Seine Haltbarkeit und sein charakteristischer Geschmack entstehen durch ein besonderes Erhitzungsverfahren, das ursprünglich aus den langen Schiffsreisen durch die Tropen hervorging.

Wer die Geschichte erleben will, besucht die Blandy's Wine Lodge im Zentrum von Funchal, untergebracht in einer Gruppe barocker Gebäude mit den ältesten Weinkellern der Insel. Die Familie Blandy handelt seit Anfang des 19. Jahrhunderts mit Madeira-Wein, der englische Gründer John Blandy kam 1808 auf die Insel. Geführte Touren erklären den Herstellungsprozess und schließen eine Verkostung ein, ideal also für einen verregneten Vormittag, allerdings ohne Helm und danach ohne Promille hinterm Lenker.

Markt, Kathedrale und Museen

Die schon erwähnte Markthalle Mercado dos Lavradores ist auch bei Regen ein lohnendes Ziel, ebenso die Kathedrale Sé in der Altstadt von Funchal, mit schlichter weißer Fassade, dunklen Basaltelementen und einer kunstvoll geschnitzten Holzdecke im Mudéjar-Stil im Inneren. Dazu kommen mehrere Museen in der Stadt, die sich der Inselgeschichte, der Sakralkunst und der Naturkunde widmen. Funchal ist kompakt genug, um an einem trüben Tag zu Fuß erkundet zu werden, während das Motorrad trocken im Parkhaus steht.

Leihmaschine, Tagesleistung und die Zeitrechnung der Insel

Auf Madeira fährt die große Mehrheit mit einer Maschine, die auf der Insel steht. Damit wird die Fahrzeugwahl zur bewussten Entscheidung statt zum Zufall der eigenen Garage. Gefragt ist hier, was in engen Kehren und steilen Ortsdurchfahrten leicht bleibt: handliches Gewicht, niedrige Sitzhöhe für den sicheren Bodenkontakt am Hang, ordentlicher Lenkeinschlag und Durchzug aus niedrigen Drehzahlen. Große, hohe Reisemaschinen funktionieren auf den Hauptachsen bestens und werden in den Dörfern zur Arbeit.

Bei der Übernahme lohnt ein prüfender Blick auf das, was die Insel am stärksten belastet: Reifenprofil, Bremsbeläge, Kettenspannung. Ein Motorrad, das hier im Dauereinsatz läuft, sammelt in kurzer Zeit viele Höhenmeter und Bremsvorgänge. Wer eigene Ausrüstung mitbringt, packt zumindest Helm und Handschuhe ins Fluggepäck, weil beides am eigenen Kopf und an der eigenen Hand sitzen sollte.

Bleibt die Zeitrechnung, an der die meisten Planungen scheitern. Die Insel ist klein, aber der Kilometer ist teuer. Vierzig Kilometer über Bergstraßen können mehr als eine Stunde reine Fahrzeit kosten, ohne Fotostopp, ohne Kaffee, ohne Nebel. Eine Tagesrunde, die auf der Karte harmlos aussieht, füllt in der Praxis den ganzen Tag. Realistisch sind kurze Etappen mit viel Zeitpuffer, ein fester Standort statt täglichem Umziehen und der Verzicht auf den Ehrgeiz, die ganze Insel an einem Stück zu umrunden. Beim Tanken gilt: Die Stationen liegen an den Küstenachsen und in den größeren Orten, im Inselinneren und auf der Hochfläche gibt es sie praktisch nicht. Vor jeder Bergrunde volltanken ist der einfachste Weg, sich diesen Ärger zu ersparen.

Landschafts-Highlights, die du mit dem Motorrad erreichst

Pico do Arieiro

Der höchste mit dem Motorrad erreichbare Punkt der Insel: eine asphaltierte Kammstraße endet direkt am 1.818 Meter hohen Gipfel, dem dritthöchsten Madeiras. An klaren Tagen reicht der Blick über das Bergmassiv bis zur Nachbarinsel Porto Santo im Nordosten.

Anfahrt
Passstraße ab dem Poiso-Pass hinauf zum Gipfel; Poiso liegt an der Verbindung aus Funchal ins Bergland.
Motorrad-Parken
Großer Parkplatz direkt am Gipfel, Platz auch fürs Motorrad; zu Sonnenauf- und -untergang früh anfahren, dann läuft er schnell voll.
Öffnungszeiten
frei zugänglich (öffentlicher Aussichtspunkt an der Bergstraße)
Höhe/Aussicht
1.818 m, dritthöchster Gipfel Madeiras

Cabo Girão

Gilt als eine der höchsten Steilküsten Europas: rund 580 Meter fällt der Fels hier senkrecht ins Meer. Über die Kante ragt eine gläserne Aussichtsplattform (Skywalk), von der man direkt in die Tiefe und auf die Fajãs am Wasser blickt.

Anfahrt
Von Câmara de Lobos rund zwei Kilometer westwärts bergauf zum Aussichtspunkt Cabo Girão.
Motorrad-Parken
Parkplatz am Aussichtspunkt oberhalb der Plattform; von dort wenige Schritte zum Skywalk.
Öffnungszeiten
Skywalk frei zugänglich (gläserne Plattform seit Oktober 2012 begehbar)
Höhe/Aussicht
Steilküste rund 580 m über dem Meer

Eira do Serrado (Blick auf Curral das Freiras)

Von der Aussichtskanzel Eira do Serrado stürzt der Blick in den Talkessel von Curral das Freiras, ein von steilen Felswänden umschlossenes Bergdorf im Inselinneren, dessen Ortskern auf rund 460 Metern liegt. Der Kontrast zwischen Kanzel und Talboden macht den Stopp aus.

Anfahrt
Bergstraße aus Richtung Funchal / Câmara de Lobos ins Inselinnere; der Aussichtspunkt liegt am oberen Rand des Talkessels, bevor die Straße nach Curral das Freiras absteigt.
Motorrad-Parken
Parkplatz am Aussichtspunkt Eira do Serrado; von dort kurzer Fußweg zur Kanzel.
Öffnungszeiten
frei zugänglich

Paul da Serra & Fanal-Lorbeerwald

Das größte Hochplateau Madeiras, eine offene, fast baumlose Hochfläche, über die Straßen in 1.300 bis 1.500 Metern Höhe ziehen, ein völlig anderer Fahrcharakter als die Kehren der Küste. Am Nordrand liegt der Fanal-Lorbeerwald, Teil der Laurisilva, die 1999 zum UNESCO-Welterbe erklärt wurde.

Anfahrt
Über die Hochstraßen quer über das Plateau Paul da Serra im Westen der Insel; der Fanal liegt am nördlichen Rand der Hochfläche.
Motorrad-Parken
Parkflächen an den Aussichts- und Wanderpunkten entlang der Plateaustraße und am Fanal.
Öffnungszeiten
frei zugänglich
Höhe/Aussicht
Hochplateau rund 1.300–1.500 m; höchster Punkt Pico do Paul 1.640 m

Ponta de São Lourenço

Der östlichste Zipfel der Insel: eine karge, fast wüstenhafte Halbinsel aus vulkanischem Gestein, die im scharfen Gegensatz zum grünen Bergland steht. Seit 1982 Naturschutzgebiet; das schroffe Kliff- und Meerpanorama ist der Grund für den Stopp.

Anfahrt
Von Caniçal am östlichen Inselende der Straße bis zu ihrem Ende folgen; dort Parkplatz und Ausgangspunkt des Küstenwanderwegs auf die Halbinsel.
Motorrad-Parken
Parkplatz am Straßenende östlich von Caniçal; die Halbinsel selbst ist nur zu Fuß begehbar.
Öffnungszeiten
frei zugänglich

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